Regulierung und Digitalisierung stellen Medtech-Industrie vor Herausforderungen

05.09.2018 17:08

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Symbolbild Medtech

Gestern wurde in Bern die sechste statistische Branchenstudie zur Schweizer Medizintechnik-Industrie 2018 vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig die Medizintechnik für die Schweizer Volkswirtschaft ist. Während die zunehmende Digitalisierung Chancen für Startups bietet, stellen die neuen EU-Vorschriften eine ernste Herausforderung dar strapaziöse Herausforderung dar.

Alle zwei Jahre erscheint die statistische Branchenstudie zur Schweizer Medizintechnik-Industrie (SMTI). Die in Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Medizintechnikverband Swiss Medtech und der Helbling Gruppe entstandene SMTI-Studie 2018, wurde gestern präsentiert. Die Ergebnisse beruhen auf einer Befragung, an der 421 Unternehmen aus den Bereichen Herstellung, Zulieferung, Dienstleistung und Handel teilgenommen haben.

Wachstum in allen Bereichen
Gemäss Studie erwirtschaftete die Schweizer Medtech-Industrie 2017 einen Umsatz von 15.8 Milliarden Franken, was einem Wachstum von 1.7 Milliarden gegenüber dem Vorjahr entspricht und damit weit über dem Schweizer BIP-Wachstum liegt. Für die Jahre 2018 und 2019 prognostizieren die Befragten ein jährliches Umsatzwachstum von jeweils sechs Prozent. Mit insgesamt 58‘500 Mitarbeitenden ist mittlerweile jeder 100. Arbeitnehmer in der Medizintechnikbranche tätig.

Kleine Unternehmen die Norm
Von den 1‘400 Medtech-Unternehmen ist die Mehrheit als Klein- oder Mikro-Unternehmen einzustufen. 34 Prozent davon sind Kleinunternehmen mit einer Mitarbeiteranzahl zwischen zehn und 49. Und nicht ganz die Hälfte aller Firmen sind sogenannte Mikrounternehmen, die unter zehn Mitarbeitende beschäftigen.

Potenzial für Startups
Grosses Optimierungspotenzial sehen die Unternehmen gemäss Studie in der fortschreitenden Digitalisierung.. Dabei beschäftigen die Medtech-Akteure vor allem der Umgang mit Daten, die Datensicherheit sowie die diesbezüglichen regulatorischen Anforderungen, die digitale Interaktion mit Kunden und die durch Digitalisierung unterstützte Produktion.

Ausbaufähigkeit besteht auch bei den Anwendungsfeldern. Unternehmen, die in den Bereichen Wundbehandlung, Hals-Nasen-Ohren sowie e- und mHealth und Software tätig sind, gibt es im Gegensatz zur In-Vitro-Diagnostik und Krankenhausausrüstung noch wenige. 

Gerade bei der Digitalisierung und Innovationen in neuen Bereichen können Startups eine wichtige Rolle spielen. Swiss Medtech will sich denn auch vermehrt jungen Unternehmen annehmen. Den Anfang macht eine Online-Publikationsreihe, in der jeweils das „Startup des Monats“ vorgestellt wird. Weitere Aktivitäten sind in Planung. Peter Biedermann, Managing Director von Swiss Medtech, sieht im Zusammenhang mit Startups noch einigen Handlungsbedarf in der Schweiz. So wünscht er sich etwa einen Risikokapitalfonds, an dem sich auch Grossunternehmen der Branche beteilien. „Damit könnte man die Spielregeln in der Finanzierung schneller an den technischen Wandel und die Bedürfnisse des Marktes anpassen“, sagt Biedermann.

EU-Regulierungen als grösste Herausforderung 
Die beiden EU-Regelungen betreffend Medizinprodukte (MDR) und In-vitro-Diagnostika (IVDR), die seit Mai 2017 mit einer Übergangsfrist von drei Jahren in Kraft sind, stellen aktuell die grösste Herausforderung für die Branche dar. Die Umsetzung der EU-Regelungen ist eine sehr anspruchsvolle und aufwändige Angelegenheit, welche kleine und mittlere Unternehmen überproportional beansprucht. Das zeigt nicht nur die Studie, sondern auch die gestrige Podiumsdiskussion.  

Die Lancierung von innovativen Produkten wird durch die verschärften Auflagen schwieriger, teurer und langwieriger und könnte damit die strategischen Optionen von Startups begrenzen. Während der Podiumsdiskussion meinte etwa ein Teilnehmer, es könne durchaus sein, dass Startups in Zukunft ihre Innovationen nicht mehr selbst lancieren, sondern diese praktisch nur noch durch Grossunternehmen auf den Markt bringen würden.

(SOK)

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