«Wir finanzieren nun auch Startups in der Wachstumsphase»

15.03.2019 13:28

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Lukas Weber, Steffen Wagner

Lukas Weber und Steffen Wagner haben 2010 investiere gegründet. Über die Risikokapital-Plattform flossen 2018 30 Millionen Franken in Startups. Im Interview sprechen die Gründer über das starke Wachstum der letzten drei Jahre, die Entwicklung des Venture Capital Marktes und die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der Schweiz und Israel.

Herr Weber, Herr Wagner, investiere wächst seit drei Jahren stark. Wie sah die Wachstumsrate 2018 aus?

Lukas Weber (LW): Wir konnten die investierten Gelder erneut verdoppeln. Via investiere wurden vergangenes Jahr 30 Millionen Franken in Startups gesteckt. Kommt hinzu, dass zum Beispiel Corporates, mit denen wir zusammenarbeiten, gleichzeitig auch noch direkt investieren. Insgesamt wurden in den Runden, an denen wir beteiligt waren, 150 Millionen Franken investiert.

Steffen Wagner (SW): Um einen Anhaltspunkt zu dieser Grössenordnung zu geben: Mit 30 Millionen Franken pro Jahr liegen wir etwa auf dem Level eines Fonds mit 150 bis 200 Millionen Franken.

Hat sich die Zahl der Runden auch verdoppelt oder ist die investierte Summe pro Runde gestiegen?

LW: Grundsätzlich haben wir etwa doppelt so viele Investments wie 2017 gemacht. Die Verteilung ist allerdings anders. In zwei Fällen wurden über investiere jeweils drei Millionen Franken beigesteuert. Eine solche Höhe bedeutet eine neue Dimension für uns. Wir sind nun auch für Startups in der Wachstumsphase ein möglicher Finanzierungspartner. Auf der anderen Seite hatten wir Folgerunden, die relativ klein waren. Deswegen ist der Durschnitt ungefähr gleichgeblieben.

Ihnen gelingt es mehr Investorengelder zu poolen. Spüren Sie keine Konkurrenz von den zahlreichen Fondsprojekten, die derzeit in der Schweiz Geld sammeln?

SW: Nein, überhaupt nicht. Da die Investoren bei uns direkt an den Startups beteiligt sind, können wir etwas anderes als Fonds bieten. Unsere Anleger suchen diese Möglichkeit, direkt beteiligt zu sein.

Wer sind die Investoren?

SW: Grundsätzlich sind sowohl institutionelle als auch private Anleger an Bord; wobei zu den institutionellen sowohl Finanzinvestoren gehören wie Grossunternehmen, die strategisch investieren. Beispiele wären hier die Zürcher Kantonalbank, mit der wir eng zusammenarbeiten oder auch Airbus Ventures aus der ersten Gruppe oder die Post aus der zweiten Gruppe.

Nimmt das Interesse von allen Anlegergruppen zu?

LW: Ja. Wir werden dieses Jahr noch einige Partnerschaften mit Grossunternehmen bekannt geben können. Und bei den Business Angels profitieren wir unter anderem davon, dass es in der Schweiz mehr und mehr lukrative Exits gibt. Viele dieser Unternehmer tauchen kurze Zeit nach dem Verkauf bei uns auf.

Gute Schweizer Startups können sich heute ihre Investoren aussuchen. Bei der Selektion spielt eine Rolle, was die Geldgeber ausser den finanziellen Mitteln zusätzlich zu bieten haben. Ich denke, bei investiere dürfte dies vor allem das Netzwerk zu den Business Angels und Corporates sein.

SW: Das ist so. Darüber hinaus vernetzen wir aber verstärkt auch unsere Portfoliofirmen untereinander. Wir haben jetzt 60 Unternehmen im Portfolio. Bei dieser grossen Zahl ist der Austausch von Best Practices schon sehr sinnvoll.

In der Regel sagt man, dass Schweizer Startups heute qualitativ besser sind, als noch vor einigen Jahren. Können Sie das bestätigen?

SW: Absolut. Wir profitieren hier von den Ausbildungsangeboten für Startups.

Gilt dies auch für das Thema Sales? Dies sehe ich nach wie vor als Schwachpunkt vieler Schweizer Startups. Und wie unterstützt investiere die Portfoliofirmen in diesem Bereich?

LW: Wir können handfest helfen, indem wir zum Beispiel Türen öffnen. Ausserdem gehört das Thema Sales auch zu den Gebieten, bei denen sich die Startups untereinander austauschen. Beim Wandel des Mindsets – das ist schon richtig – brauchen wir in der Schweiz wohl noch etwas Zeit.

Wo steht die Schweizer Startup-Szene allgemein im Vergleich zum Ausland? Hierzulande tut sich zwar sehr viel, aber die Frage ist doch, ob die Entwicklung schnell genug passiert.

SW: Ich denke, man muss hier den richtigen Vergleichsmassstab wählen. Man sollte meiner Meinung nach nicht jedes Jahr schauen, ob die Investments nun ein bisschen schneller gewachsen sind als zum Beispiel in Frankreich oder Deutschland. Am aufschlussreichsten ist der Vergleich mit Israel. Das Land verfügt über eine sehr ähnliche DNA: es ist gleich gross, es verfügt über starke Hochschulen, es ist geprägt von B2B-Startups, die über herausragende Technologien verfügen. Und der Vergleich zeigt, dass die Schweiz sich auf einem ähnlichen Entwicklungspfad befindet – nur mit einigen Jahren Verzögerung. Gemessen an der Höhe der Startup-Investments und ihrem Wachstum befinden wir uns etwa da, wo Israel 2010 stand.

Wenn wir etwas in die Zukunft blicken: Besteht nicht die Gefahr, dass zu viel Geld für Startups vorhanden sein wird und die Bewertungen in die Höhe schiessen, ohne dass die Qualität besser wird?

SW: Nein, das sehe ich nicht so. Bisher gab es einen klaren Nachfrageüberhang und Schweizer Startups wählten die Strategie so, dass sie sich mit relativ wenigen externen Geldern entwickeln konnten. Jetzt ist mehr Geld verfügbar, das stimmt, aber wir wissen noch gar nicht, wie die Startups darauf reagieren werden.

Wie sieht die Zukunft für investiere aus? Es wird sicher weiteres Wachstum geben. Wird investiere auch stärker im Ausland aktiv werden?

LW: Ausländische Startups befinden sich schon länger in unserem Portfolio. Meist haben wir zusammen mit Konsortien investiert, mit denen wir auch sonst zusammenarbeiten. Im vergangenen Jahr haben wir nun Ressourcen geschaffen, um neben dem DACH-Gebiet auch weitere Märkte wie Frankreich und die Beneluxländer systematisch zu beobachten. Investitionen in diesen Märkten sind für uns absolut ein Thema.

Bild: Lukas Weber (links) und Steffen Wagner.

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