Der Daten-Fairtrade kommt

Sophie Küsterling

07.12.2018 14:10
Bitsaboutme

Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts – das wissen auch Christian Kunz und Christophe Legendre, zwei ehemalige Geschäftsleitungsmitglieder von Ricardo.ch. Sie haben nun einen Marktplatz für Personendaten lanciert. Erste Zahlen zeigen, dass das Geschäftsmodell funktioniert.

Christian Kunz (4.v.l.) leitete unter anderem das globale Werbegeschäft von Ebay und war CEO von ricardo.ch. Daher weiss er aus Erfahrung: «Es ist gruselig, was Unternehmen früher mit Personendaten anstellen durften.»

Doch damit ist es nun ‒ zumindest in Europa ‒ vorbei: Denn Ende Mai trat die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft. Mit der DSGVO erhalten Privatpersonen mehr Rechte an ihren Daten, Missbrauch wird massiv bestraft. «Nun geht es darum, Produkte zu bauen, mit denen die Unternehmen DSGVO-konform zu Personendaten kommen können», sagt Kunz.

Deshalb gründete er 2017 zusammen mit Christophe Legendre BitsaboutMe, einen Marktplatz, auf dem Privatpersonen mit datensuchenden Unternehmen ins Geschäft kommen können. Und so funktioniert‘s: die Nutzer verknüpfen ihre Social-Media-Profile, Onlinekonten und Kundenkarten ‒ zum Beispiel von den Kundenbindungsprogrammen von Migros oder Coop ‒ mit ihrem BitsaboutMe-Profil. Die Daten – zum Beispiel die persönliche Einkaufshistorie – werden in einen verschlüsselten, persönlichen Datenspeicher abgelegt. «Dann entscheiden die Verbraucher selber, mit wem und zu welchem Preis sie ihre Daten teilen wollen», erklärt Kunz.  

Erster Umsatz und Expansionspläne

Erworben werden die Daten von Unternehmen aus B2C-Branchen wie der Finanz-, Energie- oder Konsumgüterwirtschaft. Sie erhalten so Zugang zu hochwertigen und datenschutzkonformen Personenprofilen. BitsaboutMe finanziert sich dabei über eine Kommission. «Daten-Fairtrade» nennt Kunz sein Geschäftsmodell.  

Der Start ist geglückt. Die Plattform zählt bereits über tausend registrierte Nutzer aus über 30 Ländern. Seit zwei Wochen können Nutzer aus der Schweiz auch Datendeals abschliessen. Zu den ersten Unternehmenskunden gehören Orell Füssli oder Tesla.

Für das nächste Jahr sind der Markteintritt in Deutschland sowie eine Finanzierungsrunde geplant. Danach soll die europaweite Expansion folgen. «Unser Ziel ist es, Millionen von Nutzern und tausende Unternehmen für unseren Marktplatz zu gewinnen», sagt Kunz.

(Bild: ZVG)

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