Windkraft ohne Windrad

22.01.2014 11:10

Anerdgys WindRail (Windschiene) wandelt Wind, Druckunterschiede und Sonnenenergie in Strom um. Gestern ist der Prototyp des neuartigen Kraftwerks in Marthalen (ZH) eingeweiht worden.

Das WindRail Modul der Zürcher Firma Anerdgy auf dem Getreidesilo der Marthaler Landi sieht eher aus wie ein Lüftungsaufsatz und hat mit einem Windrad nur gemeinsam, dass beide dieselbe Energiequelle nutzen. Das Zürcher Startup testet dieses kleine Kraftwerk in Marthalen, um es später auf Alt- und Neubauten in der ganzen Schweiz und in Europa zu installieren. Strom erzeugt das WindRail auf drei verschiedene Arten. Erstens wird der Wind genutzt, der an der Hausfassade hochzieht. Zweitens verwertet die Anlage Druckunterschiede an der Dachkante. Und drittens wird die Sonnenenergie genutzt, die auf die Installation trifft. Ziel ist, dass in einigen Jahren insbesondere Eigentümer von Gebäuden mit Flachdächern eine wirtschaftliche und ästhetische Möglichkeit haben, einen guten Teil des Energiebedarfs ihrer Häuser selbst zu decken.

Der Ingenieur und Ökonom Sven Koehler hat das WindRail System entwickelt und dazu im Jahr 2012 die Firma Anerdgy gegründet. Auf die Idee der Erfindung kam Sven Koehler durch seine Eltern. Diese suchten ein System für ihr Hausdach, das sowohl Wind als auch Sonne zur Energiegewinnung nutzt. Doch was sie suchten, gab es bisher nicht. «Ich habe gesehen, dass da eine Lücke besteht und begonnen, Konzepte zu entwickeln», erzählt Sven Koehler. Dabei listete er zuerst alle seine Anforderungen an die Erfindung auf. «Oft wird die Windnutzung etwas negativ angeschaut, weil es zu Schattenwurf, Lärmbelastung, einer Störung des Landschaftsbilds oder der Natur kommen kann. Ich wollte eine Lösung präsentieren, welche die Vorzüge von Wind und Sonne kombiniert, ohne die Nachteile der beiden zu haben. Denn in Kombination der drei Energiequellen können je nach Standort während bis zu 90 Prozent der Jahresstunden Strom erzeugt werden.» Der erste Prototyp wurde mit fachlicher Unterstützung der Fachhochschule Nordwestschweiz und drei Industriepartnern realisiert. 

Finanzielle Unterstützung
Finanzielle Unterstützung für seine Entwicklung erhält Sven Kohler vom Klimafonds Stadtwerk Winterthur und der Klimastiftung Schweiz. Die Klimastiftung Schweiz bezahlt für die Erreichung verschiedener festgelegter Meilensteine insgesamt 195'000 Franken. «Ohne die Unterstützung durch den Klimafonds Stadtwerk Winterthur und die Klimastiftung Schweiz, neben Eigenmitteln und ein wenig Idealismus, könnten dieses und andere vielversprechende Projekte oft nicht realisiert werden. Investoren kommen erst nach dem Proof of concept», erläutert Sven Koehler. 

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