Risikokapital: Meilenstein für Zukunftsfonds Schweiz

13.10.2016 15:37

Ein mit mehreren hundert Millionen Franken dotierter Dachfonds, der es Pensionskassen, Versicherungen und ähnlichen institutionellen Anlegern ermöglichen soll, Schweizer Startups mit mehr Risikokapital zu versorgen. Dies ist das Ziel der neu gegründeten Stiftung Pro Zukunftsfonds Schweiz. Neben dem Initianten Henri B. Meier und dem Präsidenten Fathi Derder engagieren sich im Stiftungsrat zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.

Der Zukunftsfonds soll es institutionellen Anlegern ermöglichen, mit Investitionen Schweizer Jungunternehmen an der Spitze der technologischen Entwicklung über mehrere Jahre zu finanzieren, damit sie ihre innovativen Produkte bis zur Marktreife entwickeln können. Ein kleiner Teil der langfristigen Ersparnisse der Schweiz soll damit in die arbeitsplatzschaffende Realwirtschaft zurückgeführt werden, um für nächste Generationen in künftigen Schlüsseltechnologien Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung zu schaffen.

Die weiteren Ziele der Stiftung:

  • die fiskalischen und buchhalterischen Rahmenbedingungen zu verbessern, um die Investitionen von Pensionskassen und kollektiven Vorsorgeinstitutionen in die wertschöpfende, arbeitsplatzschaffende Realwirtschaft an der Spitze der technologischen Entwicklung zu ermöglichen;
  • Massnahmen zur Förderung der Ausbildung von Intermediären von Risikokapital zu initiieren und zu unterstützen und die Attraktivität der Schweiz für solche Intermediäre zu steigern;
  • weitere politische und wirtschaftliche Massnahmen zu evaluieren und gegebenenfalls umzusetzen, welche die Rückführung eines Teils von langfristigen Spargeldern in wertschöpfende, arbeitsplatzschaffende Investitionen in der Schweiz ermöglichen.

Die Stiftung fordert damit die Umsetzung der Motion Graber, welche von National- und Ständerat im Februar  2014 verabschiedet und an den Bundesrat überwiesen worden ist.

Als Präsident des Stiftungsrats der am 6. Oktober gegründeten Stiftung Pro Zukunftsfonds Schweiz amtiert der Waadtländer FDP-Nationalrat Fathi Derder, im Stiftungsrat engagieren sich u. a. Dr. Henri B. Meier (Initiant der Stiftung), Calvin Grieder (VRP Bühler Gruppe), Beat Jans (Nationalrat SP BS), Karl Reichmuth (Reichmuth Bank) und Prof. Dr. Andrea Schenker-Wicki (Rektorin Universität Basel).

Engpass Folgefinanzierungen
Die Schweiz belegt bei den öffentlichen Ausgaben für Bildung sowie den Ausgaben für Forschung & Entwicklung eine internationale Spitzenposition und verfügt über ein konstant hohes Innovationspotenzial. Bei der Umsetzung der Ideen und Patente in Produkten und Dienstleistungen liegt sie jedoch deutlich unter dem OECD-Durchschnitt und mit grossem Abstand hinter Ländern wie Schweden, den USA, Kanada oder Israel. Die Direkt-Investitionen in die hochwertschöpfende, arbeitsplatzschaffende Wirtschaft weisen seit Jahrzehnten eine fallende Tendenz auf. Der Engpass liegt nicht bei der Startup-Finanzierung sondern bei Folgefinanzierungen, mit denen über Jahre wiederkehrend Investitionen getätigt werden müssen, um hochinnovative aber komplexe Produkte und Dienstleistungen zur Marktreife zu bringen. Ohne politisches Gegensteuer und Umdenken institutioneller Anleger – wie z. B. der Pensionskassen – wird dies in der Schweiz zu einem schmerzhaften Arbeitsplatz- und Einkommensrückgang führen.

Hauptursache für das Investitionsmalaise ist die Kanalisierung von über der Hälfte der Schweizer Ersparnisse in kollektive Spartöpfe, von wo sie kaum mehr in die wertschöpfende Realwirtschaft zurückfliessen. Die Sparquote der Schweizer Privathaushalte ist eine der höchsten der Welt. Mehr als die Hälfte davon gelangen in Pensionskassen und andere kollektive Spartöpfe. Unter dem Schlagwort "Sicherheit" werden diese Mittel vorwiegend zur Finanzierung von Schulden verwendet. Mit einem kleineren Teil werden zudem an der Börse Aktien gekauft, doch steht auch dort nicht das Wachstum im Zentrum, sondern die Investition in grosse und liquide Titel. Langfristige Investitionen von Vorsorgegeldern in Venture Capital und damit in die Zukunft des Landes liegen indessen im Promillebereich.

Es fehlt an Kapital und Intermediären
Für die Zurückführung langfristiger Spargelder in die arbeitsplatzschaffende Realwirtschaft fehlen zwei wichtige Voraussetzungen: Das notwendige Risikokapital und genügend hochprofessionelle Intermediäre. Ständerat Konrad Graber hat deshalb die Motion mit dem Titel „Langfristanlagen von Pensionskassen in zukunftsträchtige Technologien und Zukunftsfonds Schweiz“ im Dezember 2013 eingereicht. Sie wurde von Ständerat und Nationalrat parteiübergreifend ohne Gegenstimme im Februar 2014 verabschiedet und an den Bundesrat überwiesen.

In den USA investieren Pensionskassen rund 5 Prozent ihrer Mittel in Venture Capital, in  der Schweiz liegt diese Quote im tiefen Promillebereich. Die US-Pensionskassen erzielten damit über 30 Jahre durchschnittliche Renditen von 12-18%. Die grossen Wachstumsmotoren der US-Wirtschaft wie Intel, Google, Genentech, Amgen, HP usw. wurden alle von Venture Capital finanziert. Schweizer Pensionskassen sind in der Regel zu klein, um hochspezialisierte Intermediäre mit Fachkenntnissen anzustellen und insbesondere das Risiko genügend breit zu streuen. Dafür soll der Zukunftsfonds Schweiz geschaffen werden. Dieser soll in der Schweiz (über 50%) und Europa investieren in hochspezialisierte, privatwirtschaftlich organisierte Wagniskapitalfonds in den Bereichen Energy & Greentech, neue Materialien/Werkstofftechnologie, Nanotechnologie, IT und Robotik, Biotechnologie und Medizinaltechnik.

Ein ausführliches Interview mit Henri B. Meier, dem Initianten der Stiftung finden Sie im Swiss Venture Capital Report 2016, den Sie unten herunterladen können.

(SK)

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