Digitales Netzwerk gegen verbotene Pflanzen

16.06.2017 14:12

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Goldrute

Mit einem neuen digitalen Tool unterstützt ein Zürcher ETH Spinoff private Grundstückeigentümer und Gemeinden im Kampf gegen immer aggressiver wuchernde Neophyten. Einige davon sind so gefährlich, dass der Bund sie verboten hat. Das Interesse am Tool ist gross.

Die ETH-Zürich Spin-off IN-FINITUDE packt das Neophyten-Problem bei der Wurzel. Die selbst entwickelte, interaktive webbasierte Geoplattform «Pollenn» vernetzt Gemeinden und private Grundstückbesitzer und unterstützt sie in der Bekämpfung von invasiven Neophyten.

Zwar ist der weitaus grösste Teil der gebietsfremden Pflanzen oder Neophyten harmlos. Einzelne jedoch breiten sich stark aus und verdrängen die einheimische Flora und Fauna. Einige Arten gefährden direkt unsere Gesundheit, andere können Bachufer destabilisieren oder Bauten schädigen. 58 Arten sind in der Schweiz als gefährlich bekannt, davon hat der Bund 18 Arten verboten. Das hält die Freisetzungsverordnung (FrSV) von 2008. Sie verbietet den Verkauf, die Verbreitung und das Anpflanzen dieser invasiven Neophyten. Zu den verbotenen Pflanzen gehört etwa die Kanadische Goldrute (Bild oben).

Wichtiges Thema für Grundstückseigentümer
Wer ein Grundstück besitzt, ahnt oft nicht in welchem Mass er oder sie von der FrSV betroffen ist. Denn verkauft jemand beispielsweise ein Haus mit Garten, dessen Boden mit verbotenen invasiven Neophyten belastet ist, hat dies negative Auswirkungen auf den Grundstückwert. Die lästigen Exoten müssen fachmännisch eliminiert werden. Das ist komplex, aufwändig und teuer. Schiebt man das Problem jedoch hinaus, verstärkt es sich noch, weil sich diese Arten zum Teil sehr aggressiv ausbreiten.

Private und Gemeinden müssen sich vernetzen
Private Grundstückbesitzer sind nicht allein mit dem Problem. Die Gemeinden sind aufgerufen, invasive Neophyten auf öffentlichen Flächen zu bekämpfen. Doch bleibt dies eine Sisyphusarbeit, solange Pflanzen aus privaten Grundstücken öffentliche Flächen wieder besiedeln können. Es liegt deshalb im Interesse sowohl der Gemeinden wie der privaten Grundstückeigentümer, sich gemeinsam wirkungsvoll gegen das gefährliche Grünzeug zu wehren.

Digitale Unterstützung mit Pollenn
Mit dem intuitiven digitalen Werkzeug «Pollenn» können Private auf ein zentrales Informationssystem zugreifen, das sie bei der Elimination von invasiven Neophyten auf ihren Grundstücken fachgerecht unterstützt. Auf «Pollenn» können Pflanzen erkannt und auf der Karte eingetragen werden. Grundstückseigentümer erhalten Informationen zu Risiken und potenziellen Bekämpfungskosten für ihre Liegenschaft. Durch das Netzwerk ist es möglich lokale Spezialisten zu finden, an Kursen und anderen Veranstaltungen teilzunehmen oder eventuelle Hilfe der Gemeinde in Anspruch zu nehmen. Praxisbeispiele helfen, neue Erkenntnisse zur effizienten Bekämpfung zu finden. Die Akteure vernetzen sich und tauschen Best Practices aus. So können einheitliche und effektive Herangehensweisen entstehen – davon profitieren die Gemeinden. Ein Veranstaltungskalender zeigt zudem themenrelevante Angebote für Private und Berufsleute von Behörden. Gemeinden können mit der Nutzung von «Pollenn» gezielte Informationen und Hilfestellungen platzieren.

Während «Pollenn» für die Privaten kostenlos ist, bezahlen Gemeinden einen Beitrag um durch die Plattform die Kommunikation mit ihren Einwohnern (und somit die Koordination des Problems) zu vereinfachen. Mit St. Gallen und Uster sind bereits zwei Gemeinden an Bord. Mit gegen hundert weiteren Gemeinden führt das Startup derzeit Gespräche. „Das Interesse ist gross“, erklärt Geschäftsführer Marc Vogt. Zudem unterstützen die Bundesämter für Umwelt (BAFU) und Landwirtschaft (BLW) sowie JardinSuisse «Pollenn», das auf die Datenbank von Info Flora zurückgreift, die auch eine beratende Funktion hat.

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