Verhärtete Fronten zwischen Helsana und Versicherungs-Startups

Stefan Kyora

15.02.2016 14:18

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Helsana hat die Verträge mit Knip und FinanceFox gekündigt und führt dafür Datenschutzbedenken an. Knip-CEO Dennis Just widerspricht.

Die Krankenversicherung Helsana hat die Zusammenarbeitsverträge mit Knip und FinanceFox gekündigt. Die Folge: Kunden von Helsana, die ihre Policen mit den Versicherungs-Apps verwalten wollen, müssen diese nun selbst einscannen und den Startups zusenden. Zuvor hatte Helsana die betreffenden Policen den beiden Firmen zur Verfügung gestellt und der Kunde musste nichts weiter tun.

Gleichzeitig verschickte Helsana Briefe an App-Nutzer. Den Brief an die Knip-Nutzer hat das Fachmagazin „Versicherungsbote“ vergangene Woche bekannt gemacht. Im Brief heisst es zur Begründung „Einerseits möchten wir Ihre gesundheitsrelevanten – und somit sehr persönlichen - Daten nicht einem externen Dienstleister anvertrauen. Andererseits ist es uns wichtig, direkt mit Ihnen zu kommunizieren." Danach folgt unter anderem ein Hinweis auf die eigene App namens myHelsana.

Die Veröffentlichung des Briefs hat ein lebhaftes Echo ausgelöst. Unterstützung bekam Knip auch von eher unerwarteter Seite. Oliver Pedretto, Chef eines deutschen Maklerpools, schreibt in einem Kommentar auf versicherungsbote.de: „Man mag sich ein wenig heimlich freuen als Makler, dass ein unliebsamer Konkurrent geschädigt wird. Doch wer genau liest, stellt fest, dass der VR exakt die gleiche Begründung anführen kann um neben Knip auch jeden anderen Makler -externer Dienstleister- vor die Tür zu stellen. Der Versicherer kann ja arbeiten, mit wem er will. Darin ist er frei. Die Zusammenarbeit in dem Stil zu beenden ist dreckig. Stell Dir vor Deinen Kunden schickte ein Versicherer solch einen Brief.“

Heute Morgen nahm nun Dennis Just, Mitgründer und CEO Knip, in einer ausführlichen Mitteilung Stellung. In der Mitteilung heisst es: „Es ist wichtig klarzustellen, dass kein Versicherer gesundheitsrelevante Daten mit Knip oder einem anderen Broker teilt - das ist eine Falschbehauptung seitens Helsana und führt zu unnötiger Verunsicherung auf Kundenseite.“ Zudem lasse Helsana ihre Produkte mehrheitlich über Broker vermitteln, die bisher wohl kein entsprechendes Schreiben erhalten haben. „Das stärkt die Vermutung, dass hier gezielt die digitale Zielgruppe ins Visier genommen wurde.“

Knip und FinanceFox betroffen
Auf Nachfrage von Startupticker.ch beharrte Helsana auf ihrem Standpunkt: „Gewisse Kunden haben aufgrund einer vorbestehenden, gesundheitlichen Beeinträchtigung auf der Police einen "Leistungsausschluss" vermerkt, inklusive Angabe, seit wann dieser besteht.  Dies sind gesundheitsrelevante und damit besonders schützenswerte Daten. Mit Knip konnte keine Lösung gefunden werden, welche unseren hohen datenschutzrechtlichen Anforderungen genügt“, erklärt Helsana-Sprecher Stefan Heini. Dasselbe trifft nach Heinis Auskunft auf den Knip-Konkurrenten FinanceFox zu: „Bezüglich der hohen datenschutzrechtlichen Anforderungen im Krankenversicherungsbereich konnte zum jetzigen Zeitpunkt weder mit Knip noch mit Financefox eine Lösung gefunden werden.“

Von aussen betrachtet erstaunt diese Begründung durchaus. Denn letztlich entscheiden die Versicherten, wem sie ihre Daten zur Verfügung stellen wollen. Dementsprechend sagt auch Stefan Heini: „Kunden haben jedoch die freie Wahl: Wer seine Police an Knip senden möchte, kann dies jederzeit tun.“

Und Dennis Just betont: „Wir betreuen weiterhin alle Helsana Policen auch für die Kunden. Das heisst Anfragen, Mutationen oder Änderungen werden selbstverständlich von uns übernommen. Im Sinne des Kunden. Wir betreuen keine Verträge, sondern immer den gesamten Kunden.“

Ökonomisch gesehen hält sich der Schaden für Knip bisher in Grenzen. „Der Umsatz mit Helsana bewegt sich im vierstelligen Bereich und ist ökonomisch nicht relevant für uns“, sagt Just. Er ergänzt jedoch: „Für uns ist die Helsana ein wichtiger Partner. Wir haben gemeinsam fast 2.000 Kunden, die von uns betreut werden und bei der Helsana ihre Krankenversicherung oder Krankenzusatzversicherung haben.“

Deswegen gibt es auch noch Gespräche zwischen dem Startup und der Krankenversicherung. „Ich denke, dass beide Seiten ein hohes Interesse haben wieder zusammen zu finden“, kommentiert Just. Den Austausch kann man ausschnittweise sogar auf Twitter verfolgen, sofern man Knip und Helsana dort folgt.

Über Knip
Knip ist ein mobiler Versicherungsbroker für das Smartphone, der es Kunden ermöglicht, seine Versicherungsprodukte in einer einzigen App zu bündeln. Eine leicht verständliche Übersicht zeigt bestehende Versicherungen, Beitragszahlungen und Vertragslaufzeiten, die Policen sind mit einem Klick aufrufbar. Dank eines automatischen Erstchecks erhalten Kunden direkt innerhalb der App Empfehlungen, um ihren Versicherungsschutz zu optimieren. Auf Wunsch beraten die Knip-Versicherungsexperten zu allen Fragen der eigenen Versicherung, analysieren bestehende Tarife und Leistungen und erkennen individuelle Sparpotentiale sowie Optimierungsmöglichkeiten. Die Knip-Berater erhalten ein Festgehalt und keinerlei Provision, so wird unabhängige und ehrliche Beratung garantiert. Nutzer können ihre Tarife mit Knip papierlos ändern, neue Versicherungen abschliessen und alte Policen kündigen.

Knip ist als iOS- und Android-Version in der Schweiz und in Deutschland erhältlich. App, Service und Beratung sind für den Kunden völlig kostenfrei.

Die Knip AG wurde im September 2013 von Dennis Just und Christina Kehl in Zürich gegründet. Das stark wachsende Unternehmen beschäftigt inzwischen über 100 Mitarbeiter an den Standorten Zürich, Berlin und Belgrad. Das Startup ist durch Venture Capital-Investoren aus der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden und den USA finanziert. Knip arbeitet mit SSL-Verschlüsselung auf Bankenniveau und ist bei der deutschen IHK registriert und vom deutschen TÜV-zertifiziert.

Ein aussagekräftiger Test der Knip-App von Doodle CEO Michael Brecht findet sich auf mobilbranche.de

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